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Allgemein, KarriereWege, News

Den Fokus in der Pandemie verloren? Mit dem Coaching „Mindful (Self-) Leadership – Dein fokussierter (Karriere-)Fahrplan nach der Pandemie“ möchte die IHJO ab dem 16. Mai Promovierende unterstützen, die eigene Karriereplanung (wieder) in den Blick zu nehmen. Dr. Jasmin Overberg (JO), Referentin PraxisPromotion, verrät im Interview, mit welchen Herausforderungen Promovierende konfrontiert sind und wie das Coaching ihnen helfen kann. 

 

IHJO: Wie ist die Idee für den Kurs „Mindful (Self-) Leadership – Dein fokussierter (Karriere-)Fahrplan nach der Pandemie“ entstanden?

JO: Wir vom Teilprojekt KarriereWege haben festgestellt, dass Promovierende von der Pandemie stark betroffen waren und mit vielfältigen Herausforderungen umgehen mussten – und immer noch müssen. Besonders Promovierende mit Kindern mussten schauen, wie sie neben Care Arbeit Zeit und Kraft für ihre Dissertation aufbringen konnten. Aber auch Promovierende ohne Kinder waren mit unterschiedlichen Problemen konfrontiert.

Die Corona-Pandemie stellt eine große psychische Belastung dar: Der Austausch mit anderen, der gerade im Zuge einer Promotion wichtig ist, ist weggefallen. Konferenzen konnten nicht oder nur digital stattfinden. Für Personen, die in den Naturwissenschaften promovieren, waren Zugänge zu Laboren oder technischen Geräten nicht möglich. Dadurch hat sich eine Menge Arbeit angestaut. Aufgrund der erschwerten Bedingungen ist die Karriereplanung bei vielen in den Hintergrund gerückt. Daraus entwickelte sich der Wunsch, ein maßgeschneidertes Angebot für Promovierende und Post-Docs zu schaffen. Der Kurs „Mindful (Self-) Leadership – Dein fokussierter (Karriere-)Fahrplan nach der Pandemie“ berücksichtigt die vielen Unsicherheiten durch die Pandemie. Das Angebot soll einerseits helfen, den verlorenen Fokus wiederzugewinnen und andererseits dabei unterstützen, die Karriereplanung in den Blick zu nehmen.

 

IHJO: Warum nimmt das Format besonders Promovierende bzw. deren Karrierefahrpläne in den Blick?

JO: Um eine Promotion erfolgreich zu bewältigen, muss man sich sehr gut selbst organisieren. Das Forschungsprojekt aus eigener Kraft voranzutreiben, kann anstrengend sein. Diese Kompetenz wird nach Abschluss der Promotion auf dem außerakademischen Markt ein Vorteil sein – auch Selbstorganisation, Durchhaltevermögen und Frustrationstoleranz sind gefragte Kompetenzen. In der Pandemie dagegen wurde dieser Aspekt zu einer besonders großen Herausforderung. Denn auch wenn Promovierende sehr eigenständig arbeiten, ist der regelmäßige Austausch gewinnbringend und wichtig.

Wenn ich an meine eigene Promotion zurückdenke, stelle ich fest: Für mein Forschungsprojekt war ich alleine verantwortlich, aber vorangetrieben hat mich vor allem der Austausch mit meinen Kolleginnen und Kollegen. Wenn ich ihnen Teile meiner Dissertation vorgestellt habe, wurde ich gezwungen, meine Gedanken zu ordnen und Inhalte verständlich zusammenzufassen. Das war eine wichtige Antriebsquelle für mich. Wer diesen externen Druck nicht hat, kann leicht den Fokus verlieren. Genau da möchten wir mit unseren Gruppencoachings ansetzen.

 

IHJO: Wie können sich Promovierende die Gruppencoachings konkret vorstellen?

JO: In insgesamt fünf Gruppencoachings im Abstand von drei bis vier Wochen werden 15 effektive Tools des Mindful (Self-) Leaderships vermittelt. Das Angebot wird online durch die Bremer Coaches von Ludewig.Team durchgeführt und ist für Promovierende und Postdocs kostenfrei. Die Reihe startet am 16. Mai; die Coaching-Termine erstrecken sich über einen Nachmittag – von 12 bis 18 Uhr. Im Grunde erlernen die Teilnehmenden, Achtsamkeit und Selbstfürsorge in Selbstführungsstrategien zu übersetzen, zu unterscheiden, was änderbar ist und was nicht, um so auch in unsicheren Situationen berufliche Perspektiven zu entwickeln.

Auf einer übergeordneten Ebene möchten wir zum Nachdenken anregen: Welche Herausforderungen habe ich in den letzten zwei Jahren gemeistert? Inwiefern habe ich meine Selbstführung auf ein anderes Level gebracht? Was bedeutet das für meine zukünftige Karriereplanung? Und wie kann ich die erworbenen Kompetenzen in der außerakademischen Praxis einsetzen? Was ich spannend finde, ist, dass man im Coaching erst einmal einen Blick zurückwirft. Zunächst nehmen die Teilnehmenden die Retrospektive ein und reflektieren, welchen Einfluss die Pandemie auf ihre Gefühle, Grenzen und die eigene Handlungsfähigkeit hatte. Eingebettet in Achtsamkeitsübungen setzen sich die Teilnehmenden Ziele für die Zukunft. Thematisiert werden außerdem Trends auf dem außerakademischen Arbeitsmarkt. Zum Abschluss der Reihe wird ein individueller Fahrplan für die kommenden Jahre entwickelt.

 

IHJO: Mit welchen Veränderungen der Arbeitswelt müssen Promovierende zukünftig umgehen?

JO: Ich glaube, dass die Arbeitswelt sich in Zukunft noch schneller verändern wird. Viele Promovierende – insbesondere jene mit Fächern, die mit keinem festen Berufsbild verknüpft sind – haben Bedenken, keinen Platz auf dem außerakademischen Arbeitsmarkt zu finden. Ich habe festgestellt: Es kommt nicht nur darauf an, welches Fachwissen eine Person mitbringt. Fast genauso wichtig sind überfachliche Kompetenzen, wie zum Beispiel die Motivation, sich konsequent weiterzubilden und offen für Neues zu sein. Die Pandemie war eine gute Übung dafür. Hier hilft es, einen Blick zurückzuwerfen und Erfahrungen zu reflektieren: Wie habe ich mich in der Pandemie verhalten? Inwiefern haben sich meine Kompetenzen entwickelt oder gefestigt? Daraus lassen sich wichtige Erkenntnisse ableiten, die in die Arbeitswelt transferiert werden können. Promovierende müssen also langfristig gut mit Veränderungen umgehen können. Wichtig ist auch eine hohe Bereitschaft, Lösungen für aktuelle Problemstellungen zu entwickeln.  

 

IHJO: Der Titel der Veranstaltung lautet „Mindful (Self-) Leadership – ein fokussierter (Karriere-)fahrplan nach der Pandemie“ – ist es auch okay, mal keinen Plan zu haben?

JO: Ja, auf jeden Fall. In anderen Formaten der IHJO berichten Role Models regelmäßig von ihren individuellen Karrierewegen nach der Promotion. Ich habe eine spannende Beobachtung gemacht: Von außen betrachtet wirken die Karrierewege sehr strukturiert und geplant. Letztendlich entspricht das aber nicht der Realität. Zufälle haben eine große Rolle gespielt. Rückwirkend betrachtet wirken manche Karrierewege bewusst geplant, in den wenigsten Fällen war dies Absicht. Die Role Models, die wir eingeladen haben, hatten nicht den einen konkreten Plan – und darum soll es auch in unseren Coachings nicht gehen. Es ist nicht notwendig, einen Schritt nach dem anderen zu planen und zu wissen, wo der Plan endet. Es geht eher darum, konkrete Rahmenbedingungen abzustecken, die auf dem Weg hilfreich sein können: Welche Werte vertrete ich? Welche Voraussetzungen muss mein zukünftiger Arbeitgeber mitbringen? Wichtig ist es, achtsam mit sich selbst zu sein und sich von anderen scheinbar stringenten Karrierewegen nicht stressen zu lassen.

 

IHJO: Wie fügen sich die Gruppencoachings in weitere Angebote der IHJO für Promovierende ein?

JO: Die Gruppencoachings können sowohl als Ergänzung zu anderen Formaten für Promovierende verstanden werden – als auch als separates Angebot. Das verbindende Element all unserer Formate ist die Frage „Was kann und was möchte ich nach der Promotion beruflich machen?“. Ganz neu ist der Fokus auf die Themen Achtsamkeit und (Self-) Leadership. Damit unterscheiden sich die Coachings von Angeboten wie die Reihe „Should I stay or should I go“, in denen es um das Kennenlernen von Karrierewegen, aber weniger um die eigene persönliche Entwicklung geht.

 

IHJO: Was nehmen Promovierende im besten Fall von den Gruppencoachings mit?

JO: Ich wünsche mir, dass die Teilnehmenden mit einem guten Gefühl aus den Coachings gehen. Wenn es uns gelingt, den inneren Antrieb der Promovierenden zu aktivieren, bin ich zufrieden. So einfach es auch erscheinen mag, sich mit der eigenen beruflichen Karriereplanung zu beschäftigen – in der Pandemie wurde uns viel abverlangt. Das Nachdenken über die Zukunft kann dabei helfen, Blockaden zu überwinden und neue Kraft für die Karriereplanung und die Arbeit am Promotionsvorhaben zu aktivieren. Außerdem möchten wir Promovierenden die Möglichkeit geben, sich untereinander auszutauschen. Es kann auch schön sein, wenn man hört: Anderen geht es ähnlich. In diesem Fall hoffe ich, dass sie sich vernetzen und Tipps miteinander teilen. Vielleicht entstehen ja auch Austauschmöglichkeiten über das Coaching hinaus. Das würde ich begrüßen.

 

Termine:

1. Modul: Montag, 16.05.2022

2. Modul: Mittwoch, 08.06.2022

3. Modul: Mittwoch, 13.07.2022

4. Modul: Montag, 15.08.2022

5. Modul: Mittwoch, 07.09. 2022

 

Hier können Sie sich für den Kurs “Mindful (Self-) Leadership – Dein fokussierter (Karriere-)Fahrplan nach der Pandemie” anmelden.

 

Bei Fragen zum Gruppencoaching oder Interesse an Veranstaltungen für Promovierende wenden Sie sich gerne an Dr. Jasmin Overberg (jasmin.overberg@uni-oldenburg.de).

Für mehr Informationen lesen Sie außerdem hier weiter: ihjo.de/karrierewege

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Karriere Coaching der Innovativen Hochschule Jade-Oldenburg!
Sie haben viele Ideen für den nächsten Schritt im Berufsleben und können sich nicht entscheiden? Nach dem Bachelor in den Beruf einsteigen oder lieber gleich den Master machen? Diese und weitere Fragen können Sie mit einem individuellen Coaching klären.

Einzelcoaching-Angebote für Studierende, Absolventinnen und Absolventen
Das Einzelcoaching ist eine professionelle, vertrauliche und individuelle Beratung, in der Sie Ihre persönlichen Anliegen und Probleme und besprechen können. Ziel des Coachings ist es, Ihre Ressourcen und Fähigkeiten des Selbstmanagements zu aktivieren, erfolgreich einzusetzen und Sie in der Vorbereitung auf den Berufseinstieg zu unterstützen. Sie werden fähig, Ziele zu klären, Lösungen zu finden und eigene, stimmige Entscheidungen zu treffen.

Rahmenbedingungen und Terminvereinbarungen
Vor Beginn des Coachings erfolgt eine individuelle Beratung, in der die Anzahl der Sitzungen festgelegt wird, die Sie in Anspruch nehmen möchten. Pro Person sind maximal drei Coaching-Sitzungen von je 60 Minuten möglich. Das Coaching findet im vertraulichen Rahmen und mit absoluter Diskretion statt. Sie können sich über unser Online-Formular für das Erstgespräch anmelden. Die Karriere-Coaches werden sich dann bei Ihnen per E-Mail melden und machen mit Ihnen einen individuellen Termin aus. Die Anmeldung wird verbindlich, sobald Sie unsere Bestätigung per E-Mail erhalten.

Dieses Angeot ist für Bachelor (ab 5. Fachsemester)- und Master-Studierende der Jade Hochschule und Universität Oldenburg kostenfrei. Informationen zum Angebot finden Sie hier.

Die Coaches
Arite Heuck-Richter AUSGEBUCHT!
Holger Götze
Stellwerk360°
Petra Zarrath
Sven Dinklage

Ansprechpartnerin zum Angebot
Ingrida Budininkaite
Referentin für das Mentoring und Coaching Programm
ingrida.budininkaite@jade-hs.de
0441 7708 3464

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Allgemein, KarriereWege, News

Spannende Einblicke hinter Unternehmenskulissen bietet die Reihe „Afterwork bei…“. In dem Online-Format kommen Studierende und Unternehmensvertreter_innen nach Feierabend zum Netzwerken und Diskutieren zusammen.

Gibt es in regionalen Unternehmen passende Jobangebote für mich? Was und vor allem wer steckt hinter den oft englischen Berufsbezeichnungen – und wie sehen die Karrierewege dahinter aus? Inwiefern setzen sich regionale Unternehmen mit gesellschaftlich relevanten Themen wie Nachhaltigkeit und politischem Engagement auseinander?

Solche und ähnliche Fragen stellen sich viele Studierende, die in der Region auf Jobsuche sind. Auf Unternehmenswebseiten werden sie oft nicht fündig. Pandemiebedingt fehlen darüber hinaus weitere Kontaktmöglichkeiten wie Messen und Tage der offenen Tür. Auch den Unternehmen bleiben wenige Gelegenheiten, sich nahbar zu präsentieren.

Wie Studierende und Unternehmen zusammenkommen

Diese Hürden möchte die IHJO überwinden und Studierende in Kontakt mit Unternehmen in der Region bringen: Die Veranstaltungsreihe „Afterwork bei…“ führt interessierte Studierende und jeweils ein regionales Unternehmen in lockerer Atmosphäre zusammen.

Die etwa zweistündigen Online-Veranstaltungen beginnen nach Feierabend mit einem gegenseitigen Kennenlernen. Im Anschluss besteht die Gelegenheit, sich in virtuellen Themenräumen auf Augenhöhe auszutauschen. Aus erster Hand erfahren Studierende etwas über den Alltag in den Unternehmen und auch, wie individuelle Karrierewege der Mitarbeitenden aussehen und was Unternehmen sich von Bewerber_innen wünschen. Auch konkrete Fragen, etwa zu Jobangeboten oder der Möglichkeit, bei Unternehmen Abschlussarbeiten zu schreiben, werden beantwortet. Gleichzeitig erfahren die Unternehmensvertreter_innen, mit welchen Themen und Herausforderungen sich Studierende aktuell beschäftigen. Dieser Einblick kann helfen, sich intern auf die Bedürfnisse und Wünsche zukünftiger Arbeitnehmer_innen einzustellen.

Von wegen eingestaubt und unnahbar: Netzwerken auf Augenhöhe

„Für viele Studierende bleiben Unternehmen aus der Region abstrakt. Wir wollen die Gesichter hinter ihnen zeigen“, erläutert Mareike Schlenkhoff, die als Referentin des IHJO-Teilprojekts KarriereWege das Format organisiert. „Dabei hilft eine entspannte Atmosphäre. Wir schicken den Teilnehmenden Snacks, sie selbst sorgen für ihre Getränke. Da darf auch das ein oder andere Feierabendbierchen dabei sein.“

„Das hätte ich sonst nie erfahren.“

Schon im vergangenen Jahr lud die IHJO zu vier Online-Afterwork-Events ein, unter anderem mit der Rügenwalder Mühle. „Der Abend hat viel Spaß gemacht. Ich konnte neue Kontakte knüpfen und habe zeitgleich viele interessante Dinge über das Unternehmen gelernt, die ich als Verbraucherin so nicht erfahren hätte“, bilanzierte die Studentin Anna Schmidt nach der Veranstaltung. Von Biologie über Informatik bis Tourismuswirtschaft: Aus verschiedensten Studiengängen nahmen 116 Studierende an den bisherigen Events teil und brachten ihre Perspektiven und Fragen ein.

Spannende Einblicke in regionale Unternehmen

„Diesen regen Austausch wünsche ich mir auch für die kommenden Veranstaltungen“, so Schlenkhoff. Ab März zeigen weitere große Namen der Region Gesicht. Darunter ist die Familienmolkerei Rücker, die AWO Trialog Weser-Ems GmbH und der Oldenburgisch-Ostfriesische Wasserverband. So wird hoffentlich keine Frage der Studierenden unbeantwortet bleiben.

 

Die nächsten Termine sind:

09.03.2022 Familienmolkerei Rücker, Aurich

27.04.2022 AWO Trialog Weser-Ems GmbH, Oldenburg

08.06.2022 Oldenburgisch-Ostfriesische Wasserverband, Brake

Die Veranstaltungen beginnen jeweils um 18 Uhr. Sie richten sich an Studierende und Promovierende. Die Teilnahme ist kostenfrei.

 

Einen Überblick über Angebote und aktuelle Veranstaltungen des Teilprojekts „KarriereWege“ finden Sie hier.

Bei weiteren Fragen zur Veranstaltung wenden Sie sich gerne an Mareike Schlenkhoff (mareike.schlenkhoff@jade-hs.de).

Die Veranstaltungsreihe „Afterwork bei…“ ist eine Kooperationsveranstaltung der Zentralen Studien- und Karriereberatung (ZSKB) und der Innovativen Hochschule Jade-Oldenburg (IHJO).

Foto: Unsplash/Chris Montgomery

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KarriereWege

Das Tätigkeitsfeld „Start-up und Freiberuflichkeit” stand beim fünften und (vorerst) letzten Termin von „Should I stay or should I go?! Deine Karrierewege mit Doktortitel außerhalb und innerhalb der Wissenschaft“ im Fokus.

16 Promovierende der Jade Hochschule und der Universität Oldenburg folgten am 12. Januar den Ausführungen von Dr. Jan grosse Austing (Geschäftsführer, VANEVO GmbH), Dr. Ann Kristin Haverich (systemische Coachin & Familientherapeutin) und Dr. Anna Lorenzen (Wissenschaftsjournalistin) und stellten interessierte Nachfragen. Im Mittelpunkt standen die Themen Karrierestart, Ausstieg aus der Wissenschaft und die Wirkung des Doktortitels.

„Man muss nicht alles alleine machen.“

Mit einem Doktortitel in der Freiberuflichkeit oder mit eigenem Start-up Fuß fassen – wie geht das überhaupt? Viel Sicherheit und Hilfe beim Einstieg haben Anna Lorenzen Freund_innen und Bekannte geboten, die bereits freiberuflich waren. „Hier konnte ich Fragen zu Themen wie Versicherung und Einkommenssteuer loswerden. Aber auch professionelle Angebote wie Gründungsberatungen habe ich in Anspruch genommen, um das betriebliche Handwerkszeug zu erlernen“, berichtet die promovierte Neurobiologin. Jan grosse Austing, der mit seinem Bruder ein Start-up aufbauend auf seinem Promotionsthema gründete, pflichtet bei: „Es gibt Gründungsberatungen, Gründungsstammtische und viele weitere Angebote. Man muss ja nicht alles alleine machen. Meistens gibt´s noch andere, die bei der Idee mitgehen können!“.

Start-up und Freiberuflichkeit: Wie steht es um die Sicherheit?

Die drei Role Models berichten: Gesellschaftlich werde die Tätigkeit in einem Start-up und die Freiberuflichkeit häufig mit Sorge betrachtet und das mögliche Scheitern in den Fokus gesetzt. Doch oft seien auch Angestelltenverhältnisse in der freien Wirtschaft nicht so sicher, wie sie schienen: Die Arbeitswelt ändere sich stetig und auch unbefristete Stellen seien nicht in Stein gemeißelt. Und gerade der Karriereweg in der Wissenschaft sei mit Unsicherheiten wie Befristungen und unklaren Perspektiven verknüpft – diese Perspektive habe den dreien den Ausstieg aus der Wissenschaft erleichtert: „Ich bin weiterhin mit vollem Herzen Forscher. Dies kann ich aber auch in meinem Start-up ausleben. Ich mache zum Beispiel weiterhin Experimente. Ich habe die große Kollegialität in meinem direkten Promotionsumfeld sehr geschätzt – vielmehr hat mich die zunehmende Wettbewerbsorientierung in der Forschung aus dieser Umgebung getrieben. Die Kompetenzen, die ich während der Promotion erworben habe, kommen mir aber noch immer zugute“, betont grosse Austing.

Vorteile durch den Doktortitel: Kompetenzen und Signalwirkung

Hier stimmen Haverich und Lorenzen zu: Während der Promotion wird genau das erlernt, was in der Selbstständigkeit wichtig ist – dazu gehören Durchhaltevermögen, eine gute Selbstmotivation und -organisation, ein souveräner Umgang mit Herausforderungen, Kommunikationsvermögen sowie die Fähigkeit, eigene Entscheidungen zu treffen und diese zu verteidigen. Und auch in der Außenwirkung lohnt sich der Titel: „In der Sicht von außen liegt durch den Titel eine Qualifikation vor. Allein schon, weil er signalisiert: Diese Person hat sich schon mal sehr intensiv mit einer Sache beschäftigt und ist fähig, sich in Vorhaben reinzuknien“, resümiert Ann Kristin Haverich, die ihre Promotion in den Sportwissenschaften abgeschlossen hat.

Angebote zur Karriereplanung und zu Gründungsideen

Promovierende und Postdocs, die der Frage nachgehen möchten, wie die eigenen Kompetenzen oder das eigene Forschungsvorhaben in die Selbstständigkeit oder zur Gründung führen könnten, sind herzlich zum Workshop „From PhD to Innovator“ am 21. & 22. März eingeladen. Ziel des Workshops ist es, das unternehmerische Potenzial zu erkunden, praktische Methoden kennenzulernen und Gründer_innen und Intrapreneure zu treffen.

Wer sich zu einer (Gründungs-)Idee austauschen möchte, kann sich gern beim Innovation(s)Management der IHJOmelden. Florian Grubitzsch (florian.grubitzsch@uol.de) gibt Tipps und vermittelt passende Kontakte. Auch das Gründungs- und Innovationszentrum (GIZ) stellt eine gute Anlaufstelle dar. Hilfreich sind ebenfalls die Angebote der Jade Hochschule.

Weitere Role Models aus dem Gründungsbereich sind an einigen Terminen der Reihe „Praxis vermittelt Wissen – Thema: Nachhaltigkeit“ zu treffen.


Bei Interesse an den Angeboten für Promovierende im Teilprojekt KarriereWege wenden Sie sich an Dr. Jasmin Overberg (jasmin.overberg@uni-oldenburg.de) oder Andrea Klahsen (andrea.klahsen@uni-oldenburg.de).

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Allgemein, KarriereWege
Der vierte Termin der Reihe „Should I stay or should I go?! Deine Karrierewege mit Doktortitel außerhalb und innerhalb der Wissenschaft“ fokussierte das Tätigkeitsfeld „Kultur und Verwaltung“.

Was man für einen Karriereweg in diesem Bereich mitbringen muss und für wen sich das Berufsfeld besonders eignet, darüber informierten sich am 03. November acht Promovierende aus der Region. Dr. Wiebke Friedrich (Ansprechpartnerin für Unternehmensgründung und Innovationsförderung bei der Stadt Oldenburg), Dr. Ursula Warnke (Direktorin des Landesmuseums für Natur und Mensch Oldenburg) und Dr. Sarah Witte (Teamleitung im Bereich Bodenschutz bei der Landwirtschaftskammer Niedersachsen) berichteten zunächst aus ihrem Berufsalltag und beantworteten anschließend die Fragen der Promovierenden.

Die übergreifende Definition von „Karriere“ gibt es nicht – da sind sich die drei Role Models einig. Übergreifend wichtig sei für alle Promovierenden allerdings, eine persönliche Definition des Wortes „Karriere“ aufzustellen und auf dieser Basis nach einem passenden Tätigkeitsfeld zu suchen. Faktoren wie Freiheit, Sicherheit, Sinn oder Vergütung könnten dabei eine Rolle spielen. „Karriere gemacht zu haben, bedeutet für mich, da angekommen zu sein, wo ich immer hinwollte“ resümiert Dr. Ursula Warnke.

Netzwerken als Karrierebooster

Empfehlenswert sei das Knüpfen von Netzwerken schon während der Promotion. Tagungen, Fachverbände, Mentoring-Programme oder ehrenamtliche Tätigkeiten, die nebenbei noch das eigene Profil verfeinerten, seien dabei Gold wert, wissen die Role Models. Dabei kann es auch hilfreich sein, sich in Eigeninitiative auf dem außerakademischen Arbeitsmarkt umzusehen: Wo arbeiten Personen mit Doktortitel in Positionen, die meiner Definition von Karriere entsprechen? Diese Personen dann zu kontaktieren, sei eine niedrigschwellige Form des Netzwerkens. Dies bekräftigt Dr. Jasmin Overberg aus dem Organisationsteam der Reihe: „Bei der Konzeption der Reihe „Should I stay or should I go“ haben wir insgesamt eine sehr positive Resonanz der angefragten Role Models erlebt und eine große Offenheit festgestellt. Wir können Promovierende nur ermutigen, sich für den individuellen Karriereweg passende außerakademische Role Models zu suchen und sie um ein kurzes Gespräch zum Werdegang zu bitten.“

Weiterqualifikation: „Mit offenen Augen durch die Welt gehen“

Neben Netzwerken seien auch frühzeitige Weiterqualifikationen relevant: In der außerakademischen Berufswelt sei ein Mix aus fachlicher Qualifikation und Managementkompetenzen, z. B. Finanz- oder Personalplanung, und eine gewisse Interdisziplinarität gefragt. „Ich empfehle Promovierenden, mit offenen Augen durch die Welt zu gehen. Manchmal ist man dann zur richtigen Zeit am richtigen Ort und es klappt mit dem Traumjob“, sagte Dr. Sarah Witte.

Im Job selbst sei die Promotion dann ausgesprochen hilfreich. Neben Effekten des Titels auf den Bewerbungserfolg und auf die Wahrnehmung der eigenen Kompetenz bei Kolleg_innen erwerbe man durch die Promotion auch wertvolle Skills für den außerakademischen Arbeitsalltag, weiß Dr. Wiebke Friedrich: „Promovierende lernen schon früh, Aspekte aus unterschiedlichen Standpunkten zu betrachten sowie strukturiert und analytisch vorzugehen. Das sind in meiner Tätigkeit – aber auch in vielen anderen Feldern – geschätzte Kompetenzen“.

Weitere Angebote der IHJO zur Karriereplanung

Die IHJO unterstützt Promovierende nicht nur beim Kompetenzaufbau und Netzwerken, sondern auch bei der frühzeitigen Weiterqualifizierung und der Frage nach dem eigenen Karriereziel. Aktuelle Angebote sind beispielsweise:

Experimente mit dem eigenen Leben?! Mit Life Design Thinking verschiedene Versionen meines Lebens testen
Diversity-Management – Unternehmenskultur interkulturell und inklusiv gestalten


Eine Möglichkeit, außerakademische Tätigkeitsfelder schon während der Promotion kennenzulernen, stellt außerdem die PraxisPromotion dar. Zum Netzwerken eignet sich das Mentoring-Programm.


Der letzte Termin der Kontaktseminarreihe findet am 12.01.2021 statt: Start Up & Freiberuflichkeit


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Bei Fragen zur Veranstaltungsreihe oder Interesse an den Angeboten für Promovierende im Teilprojekt KarriereWege wenden Sie sich an Dr. Jasmin Overberg (jasmin.overberg@uni-oldenburg.de) oder Andrea Klahsen (andrea.klahsen@uni-oldenburg.de).
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Allgemein, Innovation(s)Management, KarriereWege, News

Wo einst Fracht aus und nach Übersee transportiert wurde, kamen am 10. September insgesamt 24 Studierende, Forschende und Unternehmensvertreter_innen zusammen. Unter der Fragestellung „Wie wollen wir in der Region zukünftig leben und arbeiten?“ tauschten sie auf dem Segelschulschiff „Lissi“ richtungsweisende Ideen aus, knüpften Netzwerke und genossen bei perfektem Wetter die Aussicht auf die Wesermarsch. Das Event, das von den Teilprojekten „Innovation(s)Management“ und „KarriereWege“ organisiert wurde, zeigte: Der direkte Austausch zwischen den Hochschulangehörigen und der regionalen Wirtschaft ist unverzichtbar, um Bedürfnisse auf beiden Seiten auszuloten, Ideen für eine Zusammenarbeit zu entwickeln und so dem drohenden Fachkräftemangel zu begegnen.

„Nach dem Abitur sind die meisten meiner Mitschüler_innen in andere Bundesländer oder sogar ins Ausland gegangen. Auch ich habe mit dem Gedanken gespielt, die Region zu verlassen“, berichtete die Studentin Anna Riedel. Zum Glück sei es dazu nicht gekommen: Riedel entschied sich für eine Ausbildung als Bankkauffrau und für ein Duales Studium (Wirtschaftswissenschaften) an der Jade Hochschule. „Es lohnt sich, hier zu bleiben!“, resümierte sie. Dass viele junge Leute die Region verlassen, bekomme sie in ihrem Berufsalltag häufig zu spüren: Die Nachfrage nach Ausbildungsplätzen sinke.

(Nicht nur) diese Problematik war zentral am 10. September. Gunnar Barghorn, Geschäftsführer der Barghorn GmbH & Co. KG, eröffnete die Diskussion mit einem Statement, dem keine_r der Anwesenden widersprach: „Wer modern aufgestellte Unternehmen sucht, muss nicht auf IT-Unternehmen im Silicon Valley schauen, sondern kann sie auch in unserer Region finden!“. Doch wie können Unternehmen besser mit Absolvent_innen zusammenkommen? Wie profitieren Hochschulen und unsere Region voneinander? Und wie blicken die unterschiedlichen Gruppen auf aktuelle Entwicklungen wie zum Beispiel Home-Office oder Veränderung von Führung? Angeleitet durch eine Moderatorin diskutierten die Teilnehmenden in gemischten Gruppen diese und weitere Fragen.

Sinnhaftigkeit und Potentialentfaltung als Erfolgsfaktoren

Eine zentrale Erkenntnis der Diskutierenden: Unternehmen sind umso attraktiver, je mehr es ihnen gelingt, ihren Angestellten Sinnhaftigkeit in ihrer Arbeit zu bieten. Für junge Menschen, insbesondere im akademischen Umfeld, rücke zudem das Gehalt mittlerweile häufig in den Hintergrund. Flexible Arbeitszeiten, Familienfreundlichkeit, Zusatzleistungen (Betriebsrente, Verpflegung im Büro, Sportangebote) sowie eine transparente Kommunikation spielten neben der Sinnhaftigkeit eine übergeordnete Rolle. Prof. Dr. Appelt, die an der Jade Hochschule eine Professur für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre innehat, betonte in ihrem einleitenden Impuls: „Unsere Region lebt von Unternehmen, die Mitarbeitenden Raum für die Potentialentwicklung und Verantwortung für Entscheidungen geben. Dadurch steigen das Engagement und die Motivation. Unternehmen werden dadurch gleichzeitig effizienter und effektiver.”

Das Für und Wider des Home-Office

Die Möglichkeit, im Home-Office zu arbeiten, wurde in den Diskussionen als ein wichtiger Baustein der aktuellen und zukünftigen Arbeitswelt gesehen. Indem die Arbeitswege wegfallen, sparen Mitarbeitende Zeit und Geld. Den Unternehmen eröffne das Home-Office Optionen, auch Mitarbeitende mit einem weiteren Anfahrtsweg einzustellen. Zudem könnten sie durch „shared desks“ Raummieten einsparen und gegebenenfalls einen Teil der Ersparnisse in Form erhöhter Gehälter weitergeben.

Nicht zu vergessen sei allerdings der soziale Faktor: Vielen Mitarbeitenden im Home-Office fehlten die physischen Treffen mit Kolleg_innen, der Austausch an der Kaffeemaschine und die Impulse aus zufälligen Begegnungen. Nicht zuletzt, um neue Mitarbeitende einzuarbeiten und ihnen einen guten Einstieg ins Unternehmen zu ermöglichen, müsse es auch analoge Möglichkeiten geben (zum Beispiel Willkommenstage vor Ort). Vielen Angestellten falle es außerdem schwer, Arbeit und Freizeit voneinander zu trennen. Durch kompetente Führung müsse die (digitale) Selbstverantwortung der Mitarbeitenden gestärkt werden, damit das Home-Office nicht durch Entgrenzung zu einer gesundheitlichen Gefahr durch Überlastung werde.

Wie Hochschulen und Arbeitgeber zusammenkommen

Bei der Zusammenarbeit von Hochschulen und Region sahen die Teilnehmenden die Kommunikation und das Netzwerken als elementar an: Damit berufliche Möglichkeiten und Unternehmensbedarfe vermittelt werden könnten, sollten die Hochschulen niedrigschwellige Austauschformate ermöglichen. Praktika sowie in Kooperation verfasste Abschlussarbeiten gelten nach wie vor als vielversprechende Einstiegsmöglichkeit. Wichtiger Erfolgsfaktoren für gute Kooperationen seien klare Ansprechpartner_innen an den Hochschulen sowie die Bereitschaft auf beiden Seiten, zu nehmen, aber auch zu geben.

Mareike Schlenkhoff, die als Referentin des Teilprojekts „KarriereWege“ das Format mitentwickelt und begleitet hat, bilanziert: „Anderthalb Jahre fanden unsere Netzwerkformate vor allem digital statt. Umso mehr haben wir uns über die lebendigen Diskussionen gefreut, die nur ein analoges Format bieten kann. Das Event war nicht nur für die Beteiligten zukunftsweisend, sondern hat auch uns als IHJO spannende Impulse für kommende Formate und Angebote mitgegeben“. Florian Grubitzsch, Innovationsmanager an der IHJO, fügt hinzu: „Dass wir die besondere Location der Lissi nutzen konnten, war ein großer Glücksfall und bleibt uns noch lange in positiver Erinnerung. Wir sind begeistert, dass die Veranstaltung bei allen beteiligten Gruppen so viel Anklang gefunden hat. Netzwerkevents dieser Art bleiben uns ein großes Anliegen“.

Einen Überblick über weitere Angebote und Veranstaltungen des Teilprojekts „Innovation(s)Management“ finden Sie hier; des Teilprojekts „KarriereWege“ hier.

Bei Fragen zur Veranstaltung wenden Sie sich gerne an Andrea Klahsen (andrea.klahsen@uni-oldenburg.de) oder Carsten Meyer (carsten.meyer@jade-hs.de).


Foto: Vor dem Segelsetzen treffen Mitarbeiterinnen der IHJO (Ingrida Budininkaite, Mareike Schlenkhoff und Dr. Jasmin Overberg) letzte Vorbereitungen. Bild: Hendrik Reinert
Text: Dr. Jasmin Overberg

 

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KarriereWege

Beim dritten Termin der Reihe „Should I stay or should I go?! Deine Karrierewege mit Doktortitel außerhalb und innerhalb der Wissenschaft“ kamen Promovierende mit Professor_innen ins Gespräch. Prof. Dr. Doreen Appelt (Jade Hochschule), Prof. Dr. Svenja Bedenlier (Universität Erlangen-Nürnberg) und Prof. Dr. Oliver Zielinski (Universität Oldenburg) gaben Einblicke in ihren persönlichen Karriereweg. Im Mittelpunkt des Abends standen realitätsnahe Informationen zur Karrieremöglichkeit „Professor_in“.

Nachdem sich die drei Gäste jeweils ca. zehn Minuten vorstellten, konnten die Promovierenden Fragen stellen. Bei der Antwort auf die Frage einer Teilnehmerin, was sie besonders an ihrer Tätigkeit schätzten und was die Schattenseiten an ihrer Tätigkeit seien, waren sich die drei Role Models einig: Es gebe sehr viele positive Aspekte, allen voran das große Privileg der Freiheit und der Möglichkeit, den Arbeitsalltag größtenteils interessengeleitet zu gestalten und sich so persönlich zu verwirklichen. „Besonders schätze ich außerdem die Arbeit mit Studierenden. Menschen für einen bestimmten Zeitraum eng zu begleiten und Ihnen Räume zu schaffen, um Potenziale zu entdecken und zu entfalten – das finde ich toll!“, so Doreen Appelt, die als FH-Professorin mit doppelt so vielen Semesterwochenstunden (18 SWS) in der Lehre tätig ist wie ihre Universitätskolleg_innen. Eher mühsam an der Tätigkeit seien die häufig arbeitsintensiven administrativen Aspekte im Hochschulalltag, die mitunter fehlende personelle Ausstattung, vor allem aber die Gefahr der Entgrenzung: „Da viele Vorhaben und Projekt selbstbestimmt begonnen werden, kann man eigentlich als Professor_in immer arbeiten. Das Berufsbild Professor_in und eine 40-Stunden-Woche sind so nicht in Einklang zu bringen. Die Gefahr der Selbstausbeutung ist relativ hoch – aber zum Glück gibt es Familie und Freund_innen, die hier Grenzen setzen“, betont Jun.-Prof. Dr. Bedenlier.

Auch ganz praktische Tipps brachten die drei mit: Wer eine Professur anstrebe, solle sich Mentor_innen auf professoraler Ebene suchen. Häufig helfe, die Personen direkt anzusprechen. Gerade für eine Uni-Professur sei noch immer die Forschungshistorie bedeutsam. Hier gilt oftmals noch: möglichst viele Publikationen in Zeitschriften mit möglichst hohem Impact Factor. Für eine FH-Professur seien andere Faktoren relevanter: Die dafür erforderlichen fünf Jahre Berufserfahrung solle man bestenfalls in einer verantwortlichen Position in der Wirtschaft absolvieren und sich dann zielgerichtet auf eine Professur bewerben, die der Berufserfahrung entspreche. Auch Lehrerfahrungen könnten frühzeitig gesammelt werden, indem man mit den Hochschulen als Lehrbeauftragte_r in Kontakt bleibe. Klar sein müsse außerdem: Der Weg zur Professur kann mitunter sehr steinig sein und man müsse für den Großteil des Weges mit der Unsicherheit klarkommen, dass es keine Erfolgsgarantie gebe. „Einige große Bausteine für diesen Weg, wie Lehrerfahrung und Publikationen, können jedoch geplant angegangen werden“, rät Prof. Dr. Oliver Zielinski.

Dank des offenen Gespräches konnte die Professur von unterschiedlichen Blickwinkeln betrachtet werden. „Dieser Karriereweg bleibt für mich im Spiel. Durch die realitätsnahen Schilderungen ist er nicht unattraktiver geworden“, resümierte eine Teilnehmerin zum Abschluss.

Die Referentinnen des Teilprojekts KarriereWege, Andrea Klahsen und Dr. Jasmin Overberg, betonen: „Streng genommen gehört der Karriereweg Professur nicht in unseren Arbeitsbereich, da wir außerakademische Wege in den Blick nehmen. Mit unserer Veranstaltungsreihe ‚Should I stay or should I go?!’ wollten wir aber die Gesamtheit der Karrieremöglichkeiten mit Doktortitel abbilden, ohne einen Weg als den ‚besten‘ herauszustellen. Der Termin zum Thema ‚Professur‘ hat gezeigt, dass Karrierewege keine Einbahnstraßen sind. Alle drei Role Models haben vor ihrer Tätigkeit als Professor_in auch außerakademische Luft geschnuppert. Dabei können wir mit unseren Angeboten unterstützen“.

Diese unterstützenden Angebote sind beispielweise der Workshop „Erfolgsfaktor Soft Skills – Bedeutungswandel im unternehmerischen Kontext“ und das Coaching „Meine Doktorarbeit und ich in drei Minuten – Wissenschaftskommunikation mit außerakademischen Arbeitgeber_innen“, für die man sich ab jetzt anmelden kann. Eine Möglichkeit, außerakademische Tätigkeitsfelder schon während der Promotion kennenzulernen, stellt außerdem die PraxisPromotion dar.

Weitere Termine der Kontaktseminarreihe:

03.11.2021: Kultur & Verwaltung
12.01.2021: Start Up & Freiberuflichkeit

Hier anmelden
 

Bei Fragen zur Veranstaltungsreihe oder Interesse an den Angeboten für Promovierende im Teilprojekt KarriereWege wenden Sie sich an Dr. Jasmin Overberg (jasmin.overberg@uni-oldenburg.de) oder Andrea Klahsen (andrea.klahsen@uni-oldenburg.de).

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KarriereWege

Beim zweiten Termin der Reihe „Should I stay or should I go?! Deine Karrierewege mit Doktortitel außerhalb und innerhalb der Wissenschaft“ stand das Thema „Unternehmen“ im Mittelpunkt. 14 Promovierende trafen auf drei Role Models, die den Weg raus aus der Wissenschaft und rein in die Wirtschaft gegangen sind: Dr. Pia Lehmkuhl, Dr. Tariq Mahmoud und Dr. Klaus-Ferdinand Edeling.

Wie kam es von der Überlegung „Should I stay or should I go?!“ zu einer Entscheidung fürs „Go“? Tariq Mahmoud, der eine Promotion in Informatik absolvierte und nun bei Lufthansa Industry Solutions als Business Manager arbeitet, berichtet: „Ich habe mir ein Blatt Papier genommen und eine Liste gemacht: Was spricht für eine wissenschaftliche, was für eine außerakademische Karriere? Wichtige Kriterien waren für mich Sicherheit, Perspektive, Ort und Arbeitsweise. Da hat für mich persönlich die Wirtschaft mehr zu bieten gehabt“. Pia Lehmkuhl, die ihre Promotion in den Wirtschafts- und Rechtswissenschaften geschrieben hat und mittlerweile die Personal- und Organisationsentwicklung bei der Rügenwalder Mühle leitet, ergänzt: „Für mich waren immer Schlüsselerlebnisse wichtig. Es gab einige Momente, an denen ich mich gefragt habe: Ist es an der Zeit, mal etwas anderes zu sehen? Ich wollte rausfinden, ob mir die Arbeit an der Universität nur so viel Spaß macht, weil ich bislang nichts anderes kenne. Die Entscheidung hat sich für mich ausgezahlt“.

Damit der Einstieg glückt, müsse Promovierenden der Sprung von der Welt „Hochschule“ in die Welt „Unternehmen“ gelingen, wissen die drei Role Models: Während die Arbeit an der Hochschule häufig eine eigenverantwortliche „One-Man-Show“ sei, basiere die Tätigkeit in der Privatwirtschaft eher auf Teamarbeit. Die Bedeutung von Soft Skills wie Zielorientierung, Lernbereitschaft und analytischem Denken sei enorm hoch. Zudem sei die Sprache im akademischen Kontext eine andere: Promovierte müssten es schaffen, im außerakademischen Kontext (z. B. in Unternehmen) adressatengerecht „für Normalsterbliche“ zu kommunizieren, zum Beispiel über Bilder und Metaphern. Der Doktortitel könne eine Kompetenzvermutung, aber auch Vorurteile mit sich ziehen (z. B. Praxisferne), gerade in Fächergruppen, bei denen sich die potentiellen Tätigkeitsfelder nicht sofort erschließen. Grundsätzlich seien Promovierte aber wertvolle Arbeitnehmer_innen: Sie punkteten durch Methodenkompetenz und brächten aktuelles Wissen mit, das im disruptiven Wandel, der sich durch fundamentale Veränderungen in der Arbeitswelt auszeichnet, unverzichtbar geworden sei. Sie gelten als „High Potentials“, die mit einer hohen Lern- und Leistungsbereitschaft schnell in Aufgaben reinwüchsen. Die Notwendigkeit von Erfahrungswissen, das Promovierten mitunter beim Berufseinstieg fehle, sei ohnehin auf dem Arbeitsmarkt tendenziell rückläufig; es entstünden permanent neue Berufsbilder und -felder, wie die drei Promovierten wissen.

Dass die Entscheidung für eine Karriere außerhalb der Wissenschaft allerdings kein endgültiger Abschied von dem hochschulischen Umfeld sein müsse, darin sind sich die drei Role Models einig. Klaus-Ferdinand Edeling, der berufsbegleitend in BWL promovierte und heute am Bankhaus Neelmeyer tätig ist, betont: „Es muss nicht unbedingt schwarz oder weiß sein. Dazwischen liegt ganz viel bunt und eine große Vielfalt an Möglichkeiten, die persönliche Karriere zu gestalten. Dennoch empfehle ich, die berufliche Basis in der Wirtschaft zu haben und einen gesunden Kontakt zu den Hochschulen nebenberuflich zu halten“. Alle drei eint, dass sie neben ihrer Tätigkeit in der Wirtschaft über Lehraufträge oder studentische Projekte noch immer mit den Hochschulen verbunden sind. Denn: „Niemals geht man so ganz!“, fügt Edeling noch hinzu.

Dr. Jasmin Overberg und Andrea Klahsen, die als Referentinnen des Teilprojekts „KarriereWege“ das Format koordinieren, resümieren: „Auch der zweite Termin unserer Reihe bot viele wertvolle Informationen und Anregungen für Promovierende. Wir können durch unsere weiteren Angebote im Teilprojekt viele der erwähnten benötigten Kompetenzen stärken und dazu beitragen, Promovierende zielgerichtet auf den außerakademischen Arbeitsmarkt vorbereiten“.

Die hier angesprochenen Angebote sind beispielweise der Workshop „Erfolgsfaktor Soft Skills – Bedeutungswandel im unternehmerischen Kontext“ und das Coaching „Meine Doktorarbeit und ich in drei Minuten – Wissenschaftskommunikation mit außerakademischen Arbeitgeber_innen“, für die man sich ab jetzt anmelden kann. Eine Möglichkeit, außerakademische Tätigkeitsfelder schon während der Promotion kennenzulernen, stellt außerdem die PraxisPromotion dar.

Weitere Termine der Kontaktseminarreihe:

08.09.2021: Professur
03.11.2021: Kultur & Verwaltung
12.01.2021: Start Up & Freiberuflichkeit

Hier gehts zur Anmeldung.

Bei Fragen zur Veranstaltungsreihe oder Interesse an den Angeboten für Promovierende im Teilprojekt KarriereWege wenden Sie sich an Dr. Jasmin Overberg (jasmin.overberg@uni-oldenburg.de) oder Andrea Klahsen (andrea.klahsen@uni-oldenburg.de).

 

 

 

 

 

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Wie geht es weiter nach der Promotion? Die Reihe „Should I stay or should I go?! Deine Karrierewege mit Doktortitel außerhalb und innerhalb der Wissenschaft“ stellt in fünf Online-Abendveranstaltungen unterschiedliche Karrierewege gleichberechtigt anhand konkreter Role Models dar. So sollen Promovierende angeregt werden, ihre eigenen Wünsche und Perspektiven zu reflektieren.

„Es beruhigt mich sehr, dass es so viele Möglichkeiten neben der Wissenschaft gibt. Das anhand konkreter Role Models illustriert zu bekommen, ist eine fantastische Möglichkeit, gezielt Fragen zu stellen und Tipps aus der Praxis zu bekommen“. Mit diesen Worten resümiert Valerie Hug, Promovierende in den Erziehungswissenschaften, den Auftakt der Reihe, die am 05. Mai mit dem Tätigkeitsfeld „Wissenschaftsmanagement und Hochschulorganisation“ startete. Auf dem ersten virtuellen Podium saßen Dr. Christiane Brokmann-Nooren, die bis zu ihrem Eintritt in den Ruhestand im April 2021 am C3L (Center für lebenslanges Lernen) der Universität Oldenburg tätig war, Dr. Julia Blandfort, Beraterin am International Office der Jade Hochschule und Dr. Diana Kirrkamm, Prozesskoordinatorin für Ordnungsänderungen und -neufassungen aus dem Bereich Studium und Lehre an der Universität Oldenburg.

Dr. Jasmin Overberg und Andrea Klahsen, die als Referentinnen des Teilprojekts „KarriereWege“ das Format koordinieren, betonen: „Es geht uns nicht darum, den besten Karriereweg herauszustellen oder fertige Rezepte zu liefern. Wir wollen zeigen, dass individuelle Interessen, Zielsetzungen oder Lebenssituationen eine Rolle spielen dürfen. All unsere Role Models haben den Weg gewählt, der zu ihren individuellen Persönlichkeiten und Zielen passt“.

Um diese individuellen Ziele zu erreichen, muss „es einem auch mal egal sein, was Außenstehende sagen“, lacht Dr. Diana Kirrkamm, promovierte Biologin. Im Gespräch mit Dr. John Goodyear, dem Moderator der Reihe, berichteten alle drei Role Models auch über Karriereschritte, die für Dritte nicht immer nachvollziehbar waren. Dazu gehörten beispielsweise die Annahme eines Jobs als wissenschaftliche Hilfskraft zum Ende der Promotion, die Absage einer attraktiven Stelle in einer anderen Stadt oder der Wechsel zu einer niedriger dotierten Stelle. Am Ende zahlten sich diese Entscheidungen für alle drei aus. Sie eint eine große Zufriedenheit mit ihren jeweiligen Tätigkeiten, was vor allem an den Rahmenbedingungen ihrer Arbeit liegt: tolle Kolleg_innen, ein angenehmes Arbeitsklima und nicht zuletzt Sicherheit. Trotz der offensichtlichen Unterschiede sehen sie Parallelen zwischen ihren aktuellen Aufgaben und ihrer früheren Forschungstätigkeit: „Die Herausforderung, für komplexe Fragestellungen Antworten zu finden, ist in der Hochschulorganisation wie auch in der Forschung eine tägliche Aufgabe“, erklärt Kirrkamm.

Konkrete Tipps für den Einstieg und für Bewerbungsverfahren gab es zuhauf: Promovierende sollten sich von ihren Betreuer_innen ein Zeugnis ausstellen lassen, in dem auch überfachliche Kompetenzen belegt sind. Wer eine Doktorarbeit schreibt, lerne, sich selbst zu organisieren und vor anderen Personen ein Thema selbstbewusst zu präsentieren – Skills, die auch außerhalb der Wissenschaft einen hohen Marktwert aufweisen. Auch Weiterbildungen sollten sich Promovierende stets über Zertifikate belegen lassen, die an Bewerbungen angehängt werden können. Beim Einstieg können Netzwerke (z. B. durch Gremienarbeit) und frühe Kontakte zu Arbeitgeber_innen hilfreich sein: „Ich war in meiner beruflichen Laufbahn an vielen Einstellungsverfahren beteiligt. Sehr häufig haben wir die Personen vorab als Hilfskraft kennengelernt und schnell gemerkt, dass es passt“, berichtet Dr. Christiane Brokmann-Nooren, die einst in den Erziehungswissenschaften promovierte.

Im wissenschaftlichen Kontext wird häufig eine große örtliche Flexibilität erwartet – für Brokmann-Nooren und Kirrkamm ein Grund mehr, eine Karriere im Feld „Wissenschaftsmanagement und Hochschulorganisation“ einzuschlagen. Beide sind in der Region geboren und haben hier promoviert. „Eine regionale Verankerung ist genauso wichtig wie der Blick über den Tellerrand“, resümiert Dr. Julia Blandfort. Sie selbst ist für ihre Stelle an der Jade Hochschule aus Süddeutschland in den Norden gezogen, hat aber auch großes Verständnis für Personen, die nach der Doktorarbeit hierbleiben. „Es ist ja auch einfach sehr schön hier!“ schmunzelt die Kulturwissenschaftlerin, die seit nunmehr sieben Jahren in der Region lebt.

„Die Werdegänge der Praktikerinnen sind sehr inspirierend für meine eigenen Pläne nach der Promotion“, fasst Valerie Hug abschließend zusammen. Diese Pläne unterstützen kann das Teilprojekt ‚KarriereWege ‘: Angeboten werden unter anderem in regelmäßigen Abständen Coachings, die Promovierenden helfen, ihre während der Promotion erworbenen, überfachlichen Kompetenzen herauszufiltern und ihren Weg nach der Promotion zu konkretisieren. Eine Möglichkeit, außerakademische Tätigkeitsfelder schon während der Promotion kennenzulernen, stellt außerdem die PraxisPromotion dar.

Weitere Termine der Kontaktseminarreihe:

14.07.2021: Unternehmen

08.09.2021: Professur

03.11.2021: Kultur & Verwaltung

12.01.2022: Start Up & Freiberuflichkeit

Hier anmelden

Bei Fragen zur Veranstaltungsreihe oder Interesse an den Angeboten für Promovierende im Teilprojekt KarriereWege wenden Sie sich an Dr. Jasmin Overberg (jasmin.overberg@uni-oldenburg.de) oder Andrea Klahsen (andrea.klahsen@uni-oldenburg.de).

Foto: Pixabay
Text: Dr. Jasmin Overberg

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Wie sieht die Arbeitswelt außerhalb der Wissenschaft aus? Mit dem Programm „PraxisPromotion“ möchte die IHJO einen Weg für junge Forschende etablieren, schon während der Promotion Erfahrungen im außerakademischen Arbeitsmarkt zu sammeln.

Die PraxisPromotion ist das Angebot der IHJO an Promovierende, eine zeitlich begrenzte Praxisphase in die Promotionszeit zu integrieren. Die Idee: Durch die Mitarbeit in einem Unternehmen, einer Behörde oder Kultureinrichtung können sich Promovierende mit Berufsfeldern, Organisationsentwicklung und Führungsaufgaben vertraut machen und Kontakte in der außerakademischen Arbeitswelt knüpfen. Literaturwissenschaftlerin Marcella Fassio promoviert an der Universität Oldenburg und hat als erste Teilnehmende eine Praxisphase im Rahmen der IHJO absolviert. Dr. Jasmin Overberg (Referentin PraxisPromotion) gestaltet das Programm.

IHJO: Marcella, Deine Promotion hast Du inzwischen abgeschlossen – wie ist Deine berufliche Situation derzeit?

MF: Zum einen habe ich am Center für Lebenslanges Lernen der Universität Oldenburg eine halbe Stelle im Bereich Offene Hochschule. Hier arbeite ich im Kontaktstudium „Pädagogische Kompetenz in der Migrationsgesellschaft“ und bin vor allem für die Konzeption und Produktion von E-Learning-Einheiten verantwortlich. Zum anderen habe ich eine Stelle im Projekt „Innovative Lehr- und Lernkonzepte: Innovation Plus“ am Institut für Niederlandistik, in dessen Rahmen ich unter anderem ein Seminar in der Germanistik im Bereich Literaturwissenschaft gebe.

IHJO: Wie war die Praxisphase, die Du absolviert hast?

MF: Ich habe meine Praxisphase im Schardt Verlag gemacht. Das ist ein kleiner Verlag in Oldenburg, der vor allem Belletristik und Biografien veröffentlicht. Ich entschied mich für den Verlag, weil das zu meiner Ausbildung als Literaturwissenschaftlerin passte. Meine Praxisphase verlief über drei Monate und ich war an zwei halben Tagen pro Woche dort. Das ist zwar wenig, aber das Zeitmodell war ideal. Ich konnte parallel an meiner Dissertation weiterarbeiten.

Ich war vor allem in der Assistenz des Lektorats und mit verschiedenen belletristischen Texten betraut. Ich habe Korrektorat gemacht, das heißt Texte auf Rechtschreibung und Grammatik und die richtige Verwendung von Satzzeichen geprüft. Außerdem habe ich Pressemitteilungen geschrieben und Klappentexte verfasst. Auch ins Lektorat konnte ich reinschnuppern. Dort geht es vor allem um die Begutachtung von Texten hinsichtlich Stil und Sprachfluss. Die Praxisphase war für mich sehr wertvoll. Mir ist dadurch klargeworden, dass mir die Arbeit im Verlag – mit der ich lange geliebäugelt habe – eigentlich nicht liegt. Es war der beste Weg, das herauszufinden.

IHJO: Jasmin, was leistet die PraxisPromotion als Kooperationsmodell zwischen Wissenschaft und außerakademischem Arbeitsmarkt?

JO: Eine Promotion bereitet sehr geradlinig eine wissenschaftliche Karriere vor. Die meisten Promovierenden haben während der Promotion keinen Kontakt zum außerakademischen Arbeitsmarkt. Viele von ihnen müssen aber nicht nur später dort unterkommen, da der Wissenschaftsbetrieb längst nicht alle beschäftigen kann, sondern haben dort auch tolle Chancen. Die vielseitigen Kompetenzen Promovierender ermöglichen ganz unterschiedliche Berufswege, die ihnen mitunter nicht bewusst oder nicht direkt zugänglich sind. Das war Anlass für die IHJO, die PraxisPromotion ins Leben zu rufen. Wir möchten es den Promovierenden erleichtern, außerakademische praktische Erfahrungen zu machen, wichtige Kompetenzen zu erweitern und sich zu orientieren.

IHJO: Marcellas Praxisphase war euer Pilotprojekt. Wovon hängt ab, ob sich das Programm langfristig etablieren kann?

JO: Inwiefern sich die PraxisPromotion langfristig etablieren kann, ist abhängig von Faktoren außerhalb, aber auch innerhalb der Hochschulen. Die Professor_innenschaft zum Beispiel legt in Hinblick auf die Promovierenden vor allem auf die ganzheitliche wissenschaftliche Ausbildung Wert. Um während der Promotion den Schritt in den außerakademischen Arbeitsmarkt zu gehen und eine Praxisphase überhaupt organisieren zu können, brauchen die Promovierenden die Unterstützung ihrer Doktormütter und -väter. Ich wünsche mir sehr, dass es uns gelingt, mehr Professor_innen dafür zu gewinnen. Wir möchten durch die PraxisPromotion niemanden aus der Wissenschaft locken, sondern mögliche Optionen für Promovierende aller Fächer aufzeigen. Letztendlich können wir den Professor_innen so auch Arbeit abnehmen, wenn es um die Karriereberatung ihrer Doktorand_innen geht.

IHJO: Wie werden Promovierende im außerakademischen Arbeitsmarkt wahrgenommen?

JO: Aufgrund des großen Fachkräftemangels sind Unternehmen gegenüber Bachelor- und Master-Absolvent_innen sehr offen. Aber Promovierende stoßen oft auf eine Abwehrhaltung und das Vorurteil, sie hätten einen Mangel an Praxiserfahrung. Ich hoffe, dass die PraxisPromotion hier mehr Offenheit schafft. Promovierende bringen ja Praxiswissen mit. Die Tätigkeit an der Universität ist als Arbeit einzustufen. Wer eine Doktorarbeit schreibt, ist fit, was Durchhaltevermögen angeht, managt ein eigenes Projekt und hat Lebenserfahrung. Promovierende sind oft interdisziplinär aufgestellt, sind Konferenzen und Gremienarbeit gewohnt. Manche Unternehmen haben das bereits erkannt, andere wiederum haben Promovierende noch nicht so stark auf dem Schirm. Übrigens: Obwohl viele Promovierte – insbesondere jene mit Fächern, die mit keinem festen Berufsbild verknüpft sind – erst mal Schwierigkeiten bei der Jobsuche haben, ist die Arbeitslosenquote unter ihnen über alle Fächer hinweg sehr gering.

IHJO:  Wie fügt sich die Praxisphase in Eure anderen Angebote für Promovierende ein?

JO: Die IHJO hat neben der Praxisphase noch andere Formate für Promovierende im Angebot, die sich wunderbar ergänzen und frei gewählt werden können: Promovierende, die sich im außerakademischen Arbeitsmarkt orientieren möchten, könnten zunächst eins unserer Coachings machen, um die für sie sinnvolle Richtung zu identifizieren. Ergänzend bieten sich eine Reihe von Workshops mit Nachwuchsführungskräften aus Unternehmen an, um sich einen Überblick über verschiedene Bereiche zu verschaffen. Dem könnte die Einbindung in unser Mentoring-Programm und damit ein enger Austausch mit einer Person aus der Praxis folgen. Zum Abschluss dieser aufbauenden Elemente könnte die PraxisPromotion stehen. Unser Angebot ist also modular zu verstehen: Die PraxisPromotion kann als Baustein des großen Ganzen gesehen werden – aber natürlich auch separat absolviert werden.

Als innovatives Format wird die Praxisphase übrigens laufend weiterentwickelt: Neben der Unterstützung vor der Phase, zum Beispiel in Hinblick auf passende Praxispartner, soll die Praxisphase in Zukunft auch während ihrer Durchführung noch enger durch die IHJO begleitet werden. Hier lassen sich Erfahrungen reflektieren und wichtige nächste Schritte identifizieren: Inwiefern haben sich die Karriereplanungen verändert oder gefestigt? Was kann getan werden, um die neuen Kontakte zu pflegen?

IHJO: Marcella, wie klingt das erweiterte Konzept der PraxisPromotion für Dich?

MF: Eine engere Begleitung ist eine tolle Idee. Ich bin zwar gut klargekommen, aber so bekommt man wertvolle Impulse. Man weiß ja selbst oft nicht, wo man vielleicht noch Unterstützung braucht.

Die Idee von Workshops als weichem Einstieg in die PraxisPromotion finde ich auch sehr gut. Ich bereue meine Wahl nicht, aber vielleicht hätte ich mich durch die vorherige Teilnahme an anderen Formaten für ein anderes Unternehmen entschieden. Zudem lassen sich so Berührungsängste abbauen. Viele Promovierende müssen sich den Gedanken erstmal erlauben: Ich darf darüber nachdenken, vielleicht nicht in der Wissenschaft zu bleiben. Sich bewusst zu machen, dass man damit nicht alleine ist, hilft natürlich auch.

JO: Mit der PraxisPromotion können auch Rollenvorbilder entstehen! An Hochschulen, an denen Promovierende nun mal die meiste Zeit verbringen, sind natürlich häufig Rollenvorbilder aus der Wissenschaft zu finden. Dabei wäre es bei der Karriereplanung ebenso wichtig, anhand konkreter Personen zu sehen: So kann es auch gehen; all das ist mit Doktortitel möglich. In 2021 bieten wir eine Veranstaltungsreihe mit dem Titel „Should I stay oder should I go?“ an. Hier werden unterschiedliche Karriereoptionen gleichberechtigt und anhand konkreter Lebensläufe vorgestellt.

Bei Fragen zur PraxisPromotion oder Interesse an einer der Veranstaltungen für Promovierende wenden Sie sich an Dr. Jasmin Overberg (jasmin.overberg@uni-oldenburg.de).

Für mehr Informationen lesen Sie außerdem hier weiter: ihjo.de/karrierewege

Das Bild zeigt Dr. Jasmin Overberg (li.) und Marcella Fassio. Es ist während der Pandemie im Frühjahr 2021 an zwei verschiedenen Orten entstanden. Foto: Hendrik Reinert

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