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Wie hat sich die Corona-Pandemie auf das Arbeiten in der Schule ausgewirkt? Mit welchen Herausforderungen sind Lehrkräfte konfrontiert? Das Team SchülerWissen der IHJO hat Lehrkräfte an weiterführenden Schulen in der Region zwischen Ems und Weser nach ihren Erfahrungen während der Pandemie befragt, um gezielt unterstützende Angebote zu schaffen.

In diese Erhebung aus dem Herbst/Winter 2020 gehen 76 vollständig ausgefüllte Fragebögen von Lehrkräften verschiedener weiterführender Schulen ein. 35 % der teilnehmenden Lehrkräfte unterrichten an berufsbildenden Schulen (BBS), 25 % an Gymnasien, 17 % an Oberschulen, 10 % an Kooperativen Gesamtschulen (KGS), 4 % an Integrierten Gesamtschulen (IGS) und 8 % an sonstigen Schulformen. Da nur so wenige Lehrkräfte der IGS teilnahmen, werden diese bei allen folgenden Ausführungen mit in „Sonstige“ aufgeführt, um Verzerrungen zu vermeiden. Die befragten Lehrkräfte unterrichten in allen Sek I und Sek II-Jahrgängen.



Herausforderungen: Technik, Arbeitsbelastung, Distanzunterricht

In den Medien wird die mangelhafte Ausstattung der Schulen mit technischen Geräten oft und gerne beklagt (vgl. Spiegel 2020, Hafermann 2020). In unserer Umfrage bewerteten 68 % der teilnehmenden Lehrkräfte die technische Ausstattung ihrer Schulen als befriedigend oder besser. BBS, IGS und KGS wurden seitens ihrer Mitarbeiter_innen etwas schlechter eingestuft. Technische Herausforderungen ergaben sich für die beteiligten Lehrkräfte im Alltag auch infolge der Einarbeitungszeit in neue Software, z.T. fehlender Netzstabilität und verfügbarer Endgeräte bei Schüler_innen.



Als größte Herausforderungen wurden eine erhöhte Arbeitsbelastung infolge der Corona-Pandemie, das unübersichtliche Angebot an digitalen Lernmedien, eine unzureichende technische Ausstattung sowie Unsicherheiten in Bezug auf Rechtsfragen (z.B.  bezüglich DSGVO oder Urheberrecht) angegeben.

Das Lernen im Distanzunterricht unterscheidet sich für Schüler_innen erheblich von ihrem normalen Schulalltag – so berichteten die Lehrkräfte auch von den Herausforderungen, die sie bei den Schüler_innen beobachteten: 82 % gaben fehlende soziale Kontakte und die Organisation des Lernens als Herausforderung für ihre Schüler_innen an, 75 % beklagten eine fehlende technische Grundausstattung der Schüler_innen und 60 % bewerteten das soziale Umfeld sowie den Wegfall von Strukturen als herausfordernd für Schüler_innen.

Blick in die Zukunft

Abschließend prognostizierten die Teilnehmenden, welche der neu erworbenen Methoden und Werkzeuge sie auch in Zukunft einsetzen werden. Viele Lehrkräfte möchten digitale Elemente stärker nutzen, insbesondere flexible digitale „Bausteine“, wie z.B. Quiz oder Sprachlern-Apps. Neuere methodische Ansätze, wie z.B. kollaboratives Arbeiten oder asynchrones Lernen wurden nur von wenigen Lehrkräften benannt (Score: durchschnittlich 0,6 von 3 möglichen Punkten). Diese Methoden erfordern eine umfangreiche Überarbeitung der bisherigen didaktischen Konzepte und ein Umdenken von Lernprozessen. Eine mögliche Erklärung für die hohe Skepsis gegenüber neuen Konzepten könnte die hohe Arbeitsbelastung und sich ständig ändernden Rahmenbedingungen in den Zeiten der Corona-Pandemie sein. Das Interesse an unterstützenden Angeboten ist hingegen hoch, vor allem in Bezug auf praxisnahe Workshops, übersichtliche „Best Practice“- Beispiele und Angebote, die das unkomplizierte Einüben kleinerer digitaler Werkzeuge ermöglichen (Tutorials, Testumgebungen). Newsletter und Stammtische treffen auf wenig Interesse.

Ein Vergleich der befragten Gruppen ergab, dass vor allem die Situation an den berufsbildenden Schulen sich von der an anderen weiterführenden Schulen unterscheidet: Berufsschullehrende bewerten die sozialen Herausforderungen an ihre Schüler_innen als weniger gravierend und nutzen digitale Ressourcen etwas weniger intensiv.




Mit einer repräsentativen Stichprobenauswahl und einer parallelen Umfrage unter Schüler_innen und Eltern wäre sicherlich eine deutlichere Auswertung möglich. Dennoch freuen wir uns sehr über die hohe Beteiligung an unserer Umfrage und das sich daraus ergebende Stimmungsbild in der Region. Als Team SchülerWissen sehen wir die Ergebnisse der Umfrage als Ansporn, weiterhin gezielt Fortbildungen für Lehrkräfte in der Region anzubieten, die aktuelle Methoden praxisnah vermitteln.

Hier gelangen Sie zu unserem Angebot Online Impulse (für Lehrkräfte).


Überregionale Studien zum Weiterlesen

Klapproth, F.; Federkeil, L.; Heinschke, F. & Jungmann, T. (2020): Teachers’ experiences of stress and their coping strategies during COVID-19 induced distance teaching. Journal of Pedagogical Research http://dx.doi.org/10.33902/JPR.2020062805

Wildemann, A., & Hosenfeld, I. (2020): Bundesweite Elternbefragung zu Homeschooling während der Covid 19-Pandemie. Erkenntnisse zur Umsetzung des Homeschoolings in Deutschland. https://www.uni-koblenz-landau.de/de/landau/fb5/bildung-kind-jugend/grupaed/medienordner-grundschulpaedagogik/Wildemann/bericht_homeschooling/at_download/file

forsa (2020): Das Deutsche Schulbarometer Spezial: Corona-Krise. https://deutsches-schulportal.de/unterricht/das-deutsche-schulbarometer-spezial-corona-krise/

Quellen:
Der Spiegel 2020: Digitale Ausstattung an deutschen Schulen unter EU-Durchschnitt. Online unter https://www.spiegel.de/panorama/bildung/eu-bildungsbericht-digitale-ausstattung-an-deutschen-schulen-unter-eu-durchschnitt-a-e24be8c4-f7ea-4bc8-ac48-d25a941e0a48 (abgerufen am 14.05.2021)

Hafermann, Till (2020): Online unter https://www1.wdr.de/nachrichten/schulen-digitalisierung-umfrage-schulleiter-schueler-100.html (abgerufen am 14.05.2021)

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